
Sie sitzen mit einigen Freunden zusammen. In dem Gespräch sagt
einer Ihrer Freuden „Butter und Margarine sind total unterschiedlich“
(später Proband genannt). Ein anderer Freund sagt „Heute gibt es keinen
Unterschied“. Eine lange Diskussion beginnt und es soll herausgefunden
werden, ob es wirklich einen Unterschied gibt.
Sie haben eine Statistikvorlesung besucht und werden zum Schiedsrichter
bestimmt. Wie gehen Sie vor? Sie wollen auch noch beweisen, dass Sie sich die
Note, die Sie in der Statistik (2) bekommen haben, wohlverdient war.
Natürlich wollen Ihre Freunde Ihnen Helfen und diskutieren Ihr
Vorgehen.
Frage: Kann der Proband einen Unterschied zwischen Butter uns Margarine erkennen?
Erstellen eines Untersuchungsplans:
Entscheidung:
Sicher kann nicht gemeint sein, dass dem Probanden die Packungen vorgelegt
werden und er nunmehr von der Verpackung den Namen und die Produktbeschreibung
abliest. Es sollte doch so sein, dass wir den Geschmack beurteilen sollen.
Untersuchungsplan:
Der Proband gibt an, dass er Butter von Margarine nach dem Geschmack
unterscheiden kann.
Diskussion:
Pur? Aufgestrichen? Aus dem Kühlschrank oder Zimmertemperatur?
Überlegung:
Pur wird sicher nicht gehen, also Proben auf einem Brot (Eigengeschmack?,
Dicke des Aufstriches? Alter des Brotes u.s.w.) aufgestrichen. Welche
äußeren Einflüsse müssen ausgeschaltet werden?
Untersuchungsplan:
Die Proben werden auf einem Weißbrot des Herstellers ...
(geschmacksneutralstes), das nicht älter als 1 Tag sein darf, aber mindestens
6 Stunden aus dem Backofen gekommen sein muss, in einer Auftragung von 2,5 mm
Stärke verabreicht. Das Brot ist 40 Minuten vor dem Beginn der
Verabreichung der ersten Probe in einer Stärke von 1 cm aufzuschneiden. Die Proben sind 6 Stunden bei einer Raumtemperatur von 18
Grad Celsius zu lagern und 30 Minuten vor den Zufallsexperimenten auf das Brot
aufzustreichen. Um zu verhindern,
dass der Proband die Proben nach der Farbe erkennt, sind seine Augen zu
verbinden, ....
Diskussion:
Wir wollen sicher nicht eine Woche warten, bis die Untersuchung zu Ende ist
Untersuchungsplan:
Die Proben sind in der tieferstehenden Anzahl an einem Abend
zu verabreichen.
Untersuchungsplan:
Der Proband kann zwischen den einzelnen Proben oder über seine Aufforderung
ein Getränk seiner Wahl zu sich nehmen. Er darf allerdings nicht mehr als 10
Minuten Pause zwischen den einzelnen Proben haben. Die Augenbinde ist währen
dieser Zeit nicht abzunehmen. Längere Pausen sind nicht gestattet. Nach dem
ersten Bissen hat der Proband die Möglichkeit nochmals die Probe zu
verkosten. Spätendes nach der zweiten Verkostung muss er innerhalb von 15
Sekunden die Aussage „Butter“ oder „Margarine“ treffen.
Seine Aussage wird kommentarlos zur Kenntnis genommen und in das
Protokoll eingetragen. Eine Rückstellung einer Probe zur späteren Verkostung
ist nicht gestattet. Alle Aussagen, wie „Ist mir nicht bekannt“ „Im
Augenblick fällt mir nichts ein“, „Das ist ein Nutella-Brot“, werden
als falsch gewertet. Aussagen, wie „Es ist vielleicht Butter“ werden als
das benannte Produkt gewertet. Um die Beeinflussung von Zuschauern
hintanzuhalten werden die Aufstriche nur in der Küche notiert und dem
Schiedsrichter nachher bekanntgegeben (doppelt-blind).
Diskussion:
„Ich habe auch Statistik gehört, 35 oder 50 Gesetz der ‘großen Zahl’“.
Überlegung:
Wird wohl nicht gehen, dem Probanden wird übel!
Untersuchungsplan:
Dem Probanden werden 10 Kostproben gegeben.
Diskussion:
5 zu 5 oder mit 10-seitigen Würfel.
Untersuchungsplan:
Die Anzahl der mit Butter zu bestreichenden Brötchen wird mit einem
10-seitigen Würfel ermittelt. Dem Probanden ist diese Anzahl nicht
mitzuteilen.
Wir können nunmehr die zu testenden Hypothesen aufstellen:
Nullhypothese:
Es gibt keinen Unterschied zwischen Butter und Margarine. Daher kann der
Proband den Unterschied – bei einem Zufallsexperiment laut aufgestellten
Untersuchungsplan - nicht erkennen. Die Nullhypothese wird auch statische
Hypothese genannt. (sie lautet immer: es gibt keinen Unterschied).
Alternativhypothese,
es gibt einen Zusammenhang, der Proband kann diesen Unterschied erkennen.
Diese Hypothesen sind in den Untersuchungsplan aufzunehmen.
Handelt es sich um einen einseitigen oder zweiseitigen Test
Lassen
wir es zu, dass der Proband einen Unterschied feststellt, wenn er 10 falsche
Antworten gibt? Natürlich wird jeder sagen „Nein das kommt nicht in Frage“
also einseitiger Test.
Sie haben nunmehr einige Überlegungen anzustellen
Antwort
: Nominal: Es gibt nur die Merkmalsausprägungen richtig oder falsch. Streng
dichotom.
Antwort: Mögliche Ausgänge: richtig -
falsch. Wahrscheinlichkeit 0.5
Antwort:
Es handelt sich um eine Binomialverteilung
mit den Parametern X ~
B(10,0.5)
Antwort
Klicken Sie hier um die Häufigkeitsverteilung und
die Dichtefunktion zu sehen
Antwort:
Die Wahl von a
wirkt sich auf den Fehler 1. und 2. Art aus
Antwort:
a
ist frei wählbar, bitte beachten Sie aber die Auswirkungen, diese werden in
der vorhergehenden Antwort dargestellt.
Antwort:
Die Wahl muss hier mit Bedacht vorgenommen werden, a
kann sinnvollerweise nicht vollkommen frei gewählt werden, da es sich um kein
stetiges Merkmal handelt, vielmehr handelt es sich um diskrete Merkmale.
Antwort:
Die Überschreitungswahrscheinlichkeit gibt an, wie wahrscheinlich es ist,
dass der Ausgang des Zufallsexperimentes so oder noch extremer liegt.
Wir haben die Hypothesen aufgestellt, den Untersuchungsplan erstellt, die Annahme über die zu Grunde liegende Verteilung getroffen, den Stichprobenumfang festgelegt und den Kritischen Bereich definiert. Wir sind nunmehr soweit, dass wir mit dem Verfüttern der Proben beginnen können.
Nach dem Vorliegen des Ergebnisses der Verkostung und Ihrer Entscheidung haben Sie sich wacker geschlagen und können die verdiente Prämie bei der (Sieges- oder Trauer-) Feier genießen.